Gründung Hornussergesellschaft Tägertschi-Häutligen

Nach dem Ersten Weltkrieg kamen die Tägertscher überein, eine Hornussergesellschaft zu gründen. Die Idee entsprang wahrscheinlich beim Singen. Die Hauptinitianten waren Schindler Felix, Glauser Bendicht und Gäumann Fritz. Einige der Gründer hatten bereits Erfahrungen beim Hornussen gesammelt, waren aber nie Mitglied einer anderen Gesellschaft. Während zirka acht Jahren wurden die Hornussergesellschaft und der Männerchor gemeinsam geführt und auch verwaltet, und die Mitglieder waren zumindest am Anfang zugleich Hornusser und Sänger. So wurde beim Hornussen beschlossen, im Winter ein ”Konzert und Theater” in der Wirtschaft zum Tell abzuhalten. Später wurden an den Hauptversammlungen Mitglieder für die Hornusser und für den Männerchor getrennt aufgenommen. 

Auch die Jahresrechnungen sind geprägt durch Ein- und Ausgaben 

für beide Vereine. Die Begeisterung in Tägertschi war gross. Fast alle wollten mitmachen, so wurden an einem Grümpelhornussen 31 Aktive gezählt. Nach dem Hornussen wurden dann noch drei Mitglieder in die Gesellschaft aufgenommen. Je länger desto mehr waren die jüngeren Tägertscher dem Hornussen näher als dem Singen. Dieser Trend verstärkte sich dann nach einer Hauptversammlung noch mehr. Der Dirigent hatte eine ”unverschämt hohe” Entschädigung für seine Tätigkeit verlangt. Die Versammlung genehmigte den Betrag von Fr. 50.- erst nach langer Diskussion. Im folgenden Jahr nahm der Besuch der Singübungen rapid ab. Nach der Hauptversammlung 1928 findet man keine Aufzeichnungen mehr in den Protokollen, die den Männerchor betreffen. 

Die Hornussergesellschaft Tägertschi wurde 1921 in den Eidgenössischen Hornusserverband aufgenommen. Mit der Teilnahme am Kantonalen Hornusserfest in Bern im 1922 wurde die Gesellschaft auch in den Mittelländischen-Westschweizerischen Hornusserverband aufgenommen. 

Im 1921 führte die Hornussergesellschaft Tägertschi ihr erstes Festchen durch. Es war ein Grümpelhornussen, das wegen der Maul- und Klauenseuche verschoben wurde und deshalb erst am 4. Dezember zur Durchführung gelangte. Gespielt wurden fünf Ries mit anschliessendem Nachdoppeln. Beim Verlesen der Spielregeln standen die 26 Mannen in zwei Glied. Auf einmal hiess es: Vorderes Glied ”Schlagen”. Allgemein war die Ansicht, dass das hintere Glied das schwächere sei, und die im vorderen Glied lachten auf den Stockzähnen. Doch es heisst: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Denn das hintere Glied gewann vier Ries, und das vordere nur eines. Leider gab es auch einen Unfall. Nämlich ein Hornuss, der von Flückiger Ernst geschlagen wurde, traf Krebs Fritz an die Stirn. Der Unglückliche meinte danach, im höchsten Falle könne ihm das beim Heiraten schaden. Sieger dieses ersten Anlasses wurde Gäumann Fritz mit 58 Punkten vor Scheidegger Christian und Glauser Bendicht. Der Sekretär Bigler Walter schreibt: ”Als Letzter mit sieben Punkten war meine Wenigkeit. Will nur sagen, dass ich ein verfluchtes Pech gehabt habe, aber auch mir wurde ein Bravo zugerufen”. 

Am 6. August 1922 spielte die Gesellschaft erstmals an einem grossen Fest, dem Kantonalen Hornusserfest in Bern. Abfahrt war am Morgen um 6 Uhr per Pferdefuhrwerk, leider ohne den an den Nerven erkrankten Präsidenten. Der gute Glauser Banz hielt es aber dann doch nicht aus zu Hause, und mit der ”Kautschuk-Märe” (gemeint ist das Velo) holte er die Gesellschaft auf dem Weg nach Bern ein. Um 9 Uhr kam der Festumzug in Bewegung, er führte über Bundesplatz, Waisenhausplatz, Zeughausgasse, Kornhausgasse hinaus auf den Kampfplatz. Vor dem Ausstich lag Tägertschi mit 2 Nr. an letzter Stelle. Die Nummern seien nur der Unerfahrenheit der Mitglieder zuzuschreiben, und dies würde sicher nie mehr vorkommen. Am Nachmittag stellte sich die Gesellschaft gut. Nummern gab es keine mehr, und die Gesellschaft wurde mit dem letzten Preis ausgezeichnet. Die Rangverkündigung war sehr spät, da diverse Kampfrichter die Spiellisten nicht abgegeben hatten und gesucht werden mussten. Nach Mitternacht kam die Gesellschaft mit ihrer ersten Trophäe in Tägertschi an. In der Wirtschaft zum Tell wurde abgestiegen und der Becher kreiste noch etliche Male. 

1923 verbuchte der Kassier die ersten gewonnenen Wettspiele mit 

Fr. 7.50 von Trimsteln und Fr. 5.70 von Kreuzstrasse. 

Während des zweiten Weltkrieges hatten die Hornusser oft zuwenig 

Leute, so wurde auch weniger gespielt, und auch die Hauptversammlungen waren sehr schlecht besucht. Z.B. waren einmal von 25 aktiven Hornussern nur deren sieben an der Hauptversammlung. 

1945 nach dem Krieg, erschien folgender Zeitungsbericht: 

Tägertschi: Bei tadellosem Wetter gelangte am vergangenen Sonntag in unserem heimeligen Bauerndorf der Horn- und Bechermatch des Aaretalverbandes, verbunden mit dem 25-Jahr-Jubiläum der Hornussergesellschaft Tägertschi, zur Durchführung. Um 18 Uhr konnte der Obmann folgende Resultate bekanntgeben: Gesellschaften: Wichtrach 0/363, Gümligen 0/339, Tägertschi 0/298, Herbligen 1/334, Gerzensee-Kirchdorf 3/373, Trimstein 4/340, Häutligen 4/311, Münsingen 8/338. Einzelschläger: Gäumann Ernst, Tägertschi, 41, Trachsel Ernst, Münsingen, 36, Friedli Hans, Tägertschi, 36, Isenschmid Ernst Gerzensee, 35, Gäumann Fritz I, Tägertschi, 35. 

Auf dem Festplatz wurde ein Velopark eingerichtet. Pro Velo wurden 

30 Rp eingezogen. Die zwei den Velopark betreuenden Passivmitglieder erhielten für ihre Arbeit ein Zvieri und 10% der Einnahmen des Veloparkes. Die Jubiläumsfeier fand im Restaurant Tell statt.

Dazu wurde mit folgender Postkarte eingeladen:

Am 15./16. August 1948 durfte die Gesellschaft, in Luzern, zum ersten Male an einem Eidg. Schwing- und Älplerfest teilnehmen. Danach dauerte es bis ins Jahr 2001 bis sie wieder zu diesem Fest, welches in Nyon stattfand, eingeladen wurde. Alle die dort dabei waren wird es in ewiger Erinnerung bleiben, kam doch das dabei sein vor dem Rang. Konnte man doch schon am ersten Tag 12 Hornusse nicht fangen, so dass das Podest in weite ferne rückte, was dem Feiern keinen Dämpfer aufsetzte.

Anfang der 50-er Jahre ging die Hornussergesellschaft Häutligen ein. Einige der Häutliger Hornusser traten dann der Hornussergesellschaft Tägertschi bei. So gelang im Jahr 1955 am Eidgenösischen Fest in Derendingen ein grosser Erfolg mit dem Gewinn eines Horns.

Im Laufe der Zeit nahm die Zahl der Häutliger stets zu, so dass an der Hauptversammlung vom 11. März 1967 der Gesellschaftsname auf Tägertschi-Häutligen erweitert wurde.

Am 3./4. August 1949 wurde die schon lange ersehnte erste Fahne 

der Hornusser Tägertschi eingeweiht.

1991 wurde die neue Fahne eingeweiht, einerseits war die alte defekt und unreparierbar, zum andern war es höchste Zeit, dass der vollständige Name Tägertschi-Häutligen auch auf der Fahne ersichtlich wurde. 

Das stetige, intensivere Nutzen des Bodens und der Wandel unseres Spiels zum Sport, der in anderen Gesellschaften sogar mit dem Aufwand des Spitzensports zur Perfektion betrieben wird, führte dazu, dass in den 80-iger Jahren mehr Zeit aufgewendet werden musste um geeignete Spielplätze fürs Hornussen zu finden. Die Hornussergesellschaft Münsingen gewährte uns in verdankenswerter Weise für zwei Jahre Gastrecht auf ihrem Spielplatz. Als dieses Gastrecht zurückgezogen wurde, wurden die Probleme fast unlösbar. Freundlicherweise stellt uns unser Kamerad Heiri Gäumann, auf einem der schönsten Aussichtspunkte vom ganzen Amt Konolfingen, dem Rüteli, genügend Land für einen ständigen Übungs- und Spielplatz zur Verfügung. Das in Fronarbeit aufgestellte und erweiterte ”alte Sprützehüsli vo Hütlige” schützt die Gesellschaft und ihre Gäste vor Wind und Wetter und könnte schon vieles von seinen Benutzern erzählen. Der Hornusserplatz mit dem Hüttli hat der Gesellschaft ein Daheim gegeben. Leider fügte der Sturm Lothar im Jahre 2000 auch dem Hüttli einen Dachschaden zu, welcher bis Saisonbeginn jedoch wieder behoben werden konnte. 

Am 18./19. März 1995 konnte mit 20-ig eingeladenen Gesellschaften das 75-Jahr Jubiläum in Aemligen gefeiert werden. Damit verbunden fand eine Woche später die Hüttliweihe statt, beide Feste wurden für viele zu einem bleibenden Ereignis. 

 

Meisterschaft / Feste

Bei der Einführung der Schweizermeisterschaft im Jahre 1993 wurde die Gesellschaft in der 3. Liga eingestuft, nun konnte der Kampf um Rangpunkte losgehen. Am Anfang war der Ligaerhalt kein Problem, jedoch als gleich fünf Mitglieder den Verein verliessen, wurde es schwierig bis fast unmöglich. So erfolgte im Jahr 1996 unweigerlich der Abstieg in die 4. Liga. Je schlechter man in der Meisterschaft spielte umso besser waren die Leistungen an den Hornusserfesten. Dafür platzierte man sich am Interkantonalen in Steinen, im 3. Rang in der 3. Stärkeklasse. So ging es munter weiter, 1999 Abstieg in die 5. Liga, 3. Rang am Interkantonalen in Limpach. Im Jahr 2002 schafte man den Aufstieg in die obere Liga, leider nur für ein Jahr. In den Jahren 2005/08/11 kamen 2. Ränge an Interkantonalen Festen in der 4. Stärkeklasse dazu. Ab dem Jahr 2012 begann wohl die grösste Erfolgsgeschichte der Gesellschaft. Mit einem jungen Team gelang der Aufstieg in die 4. Liga und es gelang der Ligaerhalt.

In dieser Zeit erreichte man am Interkantonalen in Grünenmatt und am 100-jährigen Jubiläumsfest des MWHV an der Lenk den 2. Rang in der 4. Stärkeklasse. Ein Jahr später, Aufstieg in die 3. Liga und 3. Rang am Mitteländischen in der 3. Stkl.. Im Jahr 2015 erreichte man am Eidgenössischen den 5. Rang in der 7. Stärkeklasse, was gleichbedeutend war das man nach 60 Jahren wieder einmal mit einem Eidgenössischen Horn nach Hause kam. Ein Jahr später gelang der Aufstieg in die 2. Liga und man konnte das Mittelländische in der 3. Stärkeklasse gewinnen. 2017 klassierte man sich am Interkantonalen im 3. Rang und am Mittelländischen im 2. Rang. Die Erfolgsgeschichte, des Vereins, erreichte im Jahr 2018 am Eidgenössischen in Walkringen ihren Höhepunkt mit dem 2. Rang in der 5. Stärkeklasse. Trotz immer mit zu knappen Spielern schaffte man im 2019 den Ligaerhalt. Das Jahr 2020 war gezeichnet von der ”Corona Krise” welche keine Meisterschaft und Feste zuliess, somit freut man sich umso mehr aufs Jubiläum. 


Erfolge der Gesellschaft

1928 8. Rang MWHV Hornusserfest Uettligen 2. Stkl.
1929 3. Rang

MWHV Hornusserfest Belp

1. Stkl.
1931 9. Rang

MWHV Hornusserfest Zollikofen

1. Stkl.
1934 9. Rang

MWHV Hornusserfest Schwarzenburg

2. Stkl.
1938 8. Rang

MWHV Hornusserfest Mattstetten

2. Stkl.
1954 7. Rang

MWHV Hornusserfest Bern

1. Stkl.
1955 4. Rang

Eidg. Hornusserfest Derendingen

2. Stkl.
1961 5. Rang

MWHV Hornusserfest Jegenstorf

2. Stkl.
1962 9. Rang

MWHV Hornusserfest Urtenen

2. Stkl.
1972 8. Rang

MWHV Hornusserfest Oberlindach

1. Stkl.
1975 9. Rang

MWHV Hornusserfest Schlosswil

1. Stkl.
1977 1. Rang

Interk. Hornusserfest Frauenfeld

2. Stkl.
  4. Rang

MWHV Hornusserfest Urtenen

2. Stkl.
1980 1. Rang

Interk. Hornusserfest Epsach

2. Stkl.
1984 4. Rang

MWHV Hornusserfest Coppet

2. Stkl.
1986 2. Rang

MWHV Hornusserfest Schlosswil

2. Stkl.
1992 2. Rang MWHV Hornusserfest Wichtrach 2. Stkl.
1996 3. Rang

Interk. Hornusserfest Steinen

3. Stkl.
1999 3. Rang

Interk. Hornusserfest Limpbach

3. Stkl.
2005 3. Rang

Interk. Hornusserfest Grenchen

4. Stkl.
2008 2. Rang

Interk. Hornusserfest Oschwand

4. Stkl.
2011 2. Rang

Interk. Hornusserfest Mülchi

4. Stkl.
2013 2. Rang

Interk. Hornusserfest Grünenmatt

4. Stkl.
  2. Rang

MWHV Hornusserfest Lenk

4. Stkl.
2014 3. Rang

MWHV Hornusserfest Hettiswil

3. Stkl.
2015 5. Rang

Eidg. Hornusserfest Limpbach

7. Stkl.
2016 1. Rang

MWHV Hornusserfest Busswil

3. Stkl.
2017 3. Rang Interk. Hornusserfest Gerlafingen 3. Stkl.
  2. Rang MWHV Hornusserfest Urtenen 3. Stkl.
2018 2. Rang Eidg. Hornusserfest Walkringen 5. Stkl.

Die Präsidenten der Gesellschaft

1920-1922 Bendicht Glauser 

1922-1926 Felix Schindler 

1926-1930 Willy Gäumann 

1930-1936 Hans Friedli 

1936-1943 Willy Gäumann 

1943-1955 Fritz Glauser 

1955-1957 Werner Gäumann 

1957-1966 Bendicht Glauser 

1966-1970 Christian Lüthi 

1970-1980 Hanspeter Schafroth 

1980-1988 Fritz Gäumann 

1988-1992 Anton Gäumann 

1992-1995 Hans Herzig

1996-2011 Beat Mathys

2012-2016 Andreas Lüthi

seit 2017 Adrian Graf 

 

Mitglieder des Mittelländisch- Westschweizerischen Hornusserverbandsvorstandes: 

Sekretär: Walter Siegenthaler (Anfang der 30er Jahre) 

Obmann: Willy Gäumann (Ende der 30er Jahre)

Sekretärin: Martina Gäumann (seit 2020)

EHV (PPK/MeKo): Beat Mathys (2004-2018) 


Ehrenmitglieder

Walter Gäumann

Werner Gäumann 

Christian Lüthi 

Heinrich Gäumann 

Hanspeter Schafroth 

Fritz Gäumann

Res Wüthrich

Fritz Graf

Beat Mathys